Spurlos verschwunden: Das 100-Euro-Thermometer und das große Drama in der Betriebsküche

Spurlos verschwunden: Das 100-Euro-Thermometer und das große Drama in der Betriebsküche · Avonetics
In der Gastronomie gibt es ungeschriebene Gesetze. Eines der wichtigsten lautet: Fass niemals das Messerset oder das persönliche Werkzeug deines Chefkochs an. Was geschieht jedoch, wenn kollegiale Gutmütigkeit schamlos ausgenutzt wird? Genau diese schmerzhafte Erfahrung musste eine Küchenleiterin in einer medizinischen Großküche machen.
Seit knapp zwei Jahren leitet sie den Betrieb mit einer offenen Tür. Auf ihrem Schreibtisch stehen Süßigkeiten, Handcreme und Stifte für alle bereit. Ein Ort des Vertrauens. Doch als eine neu eingestellte Managerin für den Schockfroster dringend ein Thermometer benötigte, nahm das Unheil seinen Lauf. Statt zu den einfachen Standardgeräten des Betriebs zu greifen, liebäugelte die Neue mit dem privaten Thermapen der Chefin – ein hochpräzises Profi-Werkzeug im Wert von rund 100 Euro.
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Die Besitzerin willigte gutgläubig ein, schärfte der Kollegin jedoch ein, das Gerät nach der Messung sofort zurück in ihr Büro zu bringen. Die Chefin ging in den Feierabend. 48 Stunden später die Ernüchterung: Weder das Thermapen noch die neue Managerin waren auffindbar. Das Luxus-Werkzeug blieb spurlos verschwunden.
Der Vorfall löste in der Gastro-Szene eine Welle der Empörung aus. Viele Branchen-Insider berichten von ähnlichen Erlebnissen. Ein Koch erzählte, dass er sein Werkzeug mittlerweile ausnahmslos in knalligem Pink kaufe, damit Diebe auf den ersten Blick enttarnt werden. Ein anderer gestand, dass er Servicekräften sein Feuerzeug nur noch gegen das Mobiltelefon als Pfand leihe, weil diese sonst damit nach Hause schlendern.
Your brand, right here.Reach story-obsessed listeners in 45+ languages → advertise on AvoneticsDoch es gibt auch Stimmen, die das Opfer zur Rechenschaft ziehen. Wer privates Equipment im Wert von 100 Euro in einer hektischen Großküche verleiht und vor der Rückgabe nach Hause geht, handle grob fahrlässig. Im Stress des Schockfroster-Alltags könne ein Thermometer schnell in einer Spüle oder einem Mülleimer landen. Zudem liege die Schuld beim Arbeitgeber, wenn dieser keine ausreichend gewarteten Messgeräte zur Verfügung stelle.
Ob die verschwundene Kollegin das Gerät nur vergessen hat oder ob dreister Werkzeugklau vorliegt, bleibt offen. Für die Betroffene steht jedenfalls fest: Der Satz ihres Ehemanns, sie solle sich einfach ein neues kaufen, trifft keineswegs den Kern des Problems. Es geht um den Ehrensold der Küche.
Wie die Moderatoren diesen Fall von Küchen-Kriminalität bewerten und welches Urteil sie fällen, hören Sie in der aktuellen Ausgabe unseres Podcasts.