Sie wühlen sich durch Ihren Blumenkasten: Warum das Wildschwein plötzlich überall ist

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Es ist 3 Uhr nachts. Kein Vogelruf, kein Wind. Stattdessen ein Knacken, ein Schnüffeln, ein schweres Atmen. Wer morgens aus dem Bett steigt, sieht es sofort: Die frisch umgegrabene Erde im Beet, die aufgerissene Rasenkante, die Spuren von vier Hufen im weichen Boden. Für viele Menschen in ländlichen und zunehmend städtischen Regionen Deutschlands ist das Wildschwein längst kein fernes Tier der Romantik mehr, sondern ein täglicher Nachbar, der keine Rücksicht kennt.
Das ist doch nicht mehr normal, sagt eine Anwohnerin aus einem Dorf im Süden. Sie zeigt auf den verwüsteten Rasen. Die Tiere kommen nachts, fressen den Samen und gehen. Ein Landwirt aus Brandenburg klagt: Mein Maisfeld ist ruiniert. Pro Jahr entstehen Schäden in Millionenhöhe. Mais, Weizen, Obst. Die Bauern fühlen sich im Stich gelassen.
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Doch ein Naturschützer entgegnet: Sie sind Teil des Naturkreislauft. Ohne das Wildschwein wäre der Wald anders. Es ist ein Bagger im Unterholz. Es lockert den Boden auf, was das Wachstum von Pflanzen begünstigt. Es verbreitet Samen über weite Strecken. Es frisst Insekten und kleine Wirbeltiere, was die Populationen dieser Tiere kontrolliert.
Die Zahlen treiben die Debatte. Der Bund Deutscher Forstleute geht von rund 1,5 Millionen Wildschweinen in Deutschland aus. In manchen Bundesländern verdoppeln sich die Bestände innerhalb weniger Jahre. Besonders im Osten und Südwesten sind die Zahlen hoch. Die Dichte ist so hoch, dass der Begriff der Tragfähigkeit von Landschaften diskutiert wird.
Warum gerade jetzt? Drei Faktoren spielen zusammen. Erstens die milderen Winter, die das Überleben von Ferkeln sichern. Zweitens das Nahrungsangebot. Der massive Maisanbau in der Agrarlandschaft liefert im Herbst eine kalorienreiche Energiequelle, die die Tiere fett macht und die Fortpflanzungsrate steigert. Drittens die Schutzgebiete. Wo der Mensch sich zurückzieht, wächst das Tier.
Neue Studien zeigen, dass Wildschweine deutlich intelligenter sind als lange angenommen. Sie haben ein gutes Gedächtnis für Futterplätze und Gefahren. Sie leben in komplexen Sozialverbänden, meist unter der Führung eines älteren Weibchens. Die Eber leben oft einzelgängerisch, besonders zur Paarungszeit.
In Städten wie Berlin oder München sind Wildschweine keine Seltenheit mehr. Sie durchqueren Parks, suchen in Mülltonnen Nahrung. Das Verhalten ändert sich. Sie werden nachtaktiver, um Menschen zu meiden. Experten warnen, dass sie zu viel Vertrauen in den Menschen fassen könnten, wenn sie gefüttert werden. Das ist gefährlich für beide Seiten.
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Ein Nutzer aus dem Netz fragt: Sollen Wildschweine in Parks geduldet werden? Ein anderer argumentiert: Die Jagdzeiten sollen verlängert werden. Manche fordern eine Rückkehr zu traditionellen Landschaftselementen. Wildschutzhecken sollen die Tiere von den Feldern fernhalten.
Die rechtliche Lage ist kompliziert. Das Jagdrecht liegt bei den Bundesländern. Die Jagdzeiten variieren. In manchen Regionen darf ganzjährig gejagt werden, in anderen nur in bestimmten Monaten. Diese Unterschiede führen zu unterschiedlichen Beständen. Ein bundesweites Management wird gefordert, aber politisch schwer durchsetzbar.
Nicht nur der Boden, sondern auch die Seuchen sind ein Thema. Die Afrikanische Schweinepest hat die Branche erschüttert. Sie ist für Menschen harmlos, tötet aber Haustiere und Wildtiere. Zudem gibt es Verkehrsunfälle. Wildunfälle mit Wildschweinen sind häufig und gefährlich.
Warum reagieren wir so stark? Das Wildschwein steht für das Wilde in unserer Mitte. Es erinnert uns daran, dass die Natur nicht tot ist. Für manche ist es ein Symbol der Freiheit, für andere ein Symbol des Chaos. Diese Ambivalenz prägt die Debatte.
Wie unsere Moderatoren von Grüne Geschichten diese Geschichte auf dem Podcast analysieren, hören Sie in der nächsten Folge.